„Zauberer Gottes“

  

 

Das Leben und Wirken des „Zauberers Gottes“

 

 

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·     ·                       Eine Kurzbeschreibung des berühmten Pfarrers Pogorzelski in Kallinowen/Masuren/Ostpreussen

 ·                          Chronologie für Michael Pogorzelski (1737 - 1798) *3

 ·                          Geschichtliche Tatsachen über Michael Pogorzelski

 ·                          Geografische Kurzhinweise zu Masuren und einigen Orten

 ·                          Ausführungen zum Namen Pogorzelski

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Eine Kurzbeschreibung des berühmten Pfarrers Pogorzelski in Kallinowen/Masuren/Ostpreussen

 

Michael Pogorzelski
(4.9.1737 in Lepacken
*1- 28.4.1798)

war ein berühmter Pfarrer in Kallinowen *2  (1780 - 1798).

Paul Fechter aus Elbing hat ein ganzes Buch über ihn geschrieben: "Der Zauberer Gottes - eine Komödie". Obwohl er die deutsche Sprache vollkommen beherrschte, predigte er in seiner masurischen Muttersprache. Neben der Kirche von Kallinowen befindet sich sein Grab und an der Mauer vor der Kirche erinnert eine Gedenktafel in zwei Sprachen an den bis heute volkstümlichen und beliebten Pfarrer.

Die wortgewaltigen, mitunter recht komischen Predigten von Michael Pogorzelski waren besonders auch unter Königsberger Studenten populär und wurden teilweise nachempfunden. Die Authentizität manch eines ihm zugeschriebenen Gedichts ist heute nicht zweifelsfrei gewährleistet, auch nicht bei dem nachfolgend wiedergegebenen typischen Reim:

Zum Tod des Ortelsburger Pfarrers

Oh weh dir, Ortelsburg Gemein
Hast verloren Pfarrer dein.
Geschlossen ist sein Auge, dott,
Maul zu, was gered von Gott.
So blüht im Garten Rosenstock,
springt zu, frißt ab der Ziegenbock.
So fraß auch mitt' im Lebenslauf
der Tod den sel'gen Pfarrer auf.
Nun liegt er da, auf Gottes Acker.
Pfui, Tod, du Racker!

In Masuren gab es den Namen Pogorzelski recht häufig. Aus dem 16. Jahrhundert sind etwa 20 Familien bekannt. Zur Zeit der Kolonisierung wurde der für ein Dorf in der Wildnis vorgesehene Platz kurzerhand durch Feuer freigemacht. Häufig nannte man das Dorf dann Brandstätte oder, auf masurisch, Pogorzellen, woraus sich der Personenname Pogorzelski ableitete.

*1* Lepacken, Leppacken, - heute Lepaki Wielki, liegt ca. 7 Km westlich von Lyck – Elk

Es handelt sich um eins von vielen Dörfern in dieser Gegend, die bereits in früher Sudauerzeit besiedelt waren (ca. 1200). Die Kolonisten errichteten ihre Höfe im bereits bestehenden Dorfverband und rodeten den Wald zur Gewinnung von neuem Ackerland. 

*2 Kallinowen

Das Dorf Kallinowen entstand vermutlich im 15. Jh. Der Ort wurde am 16. 7. 1938 in Dreimühlen umbenannt, heute Kalinowo, ca. 20 Km nordöstlich von Lyck/Elk. 

 

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 Chronologie für Michael Pogorzelski (1737 - 1798) *3
geboren in Lepacken/Ramecksfelde, Krs. Lyck, als Sohn eines Kölmers

Schulbesuch in Königsberg
ab 1762 Studium der Theologie auf der Albertina
1769 Organist und Schulcollega in Ragnit
1772 Schulrektor in Kutten, Res. Angerburg
1780 Gemeindepfarrer in Kallinowen Kirche.

 Nach der Katastrophe des Tatareneinfalls baute man 1666 eine neue Holzkirche. Diese renovierte man noch 1910, doch in den Kampfhandlungen des 1. Weltkriegs ging sie bald zugrunde. Der nun folgende Neubau 1924 - 1926 nach Plänen von Kirchenbaumeister Kickton erfolgte dann aus Feldstein. Die flache Holzdecke erhielt eine Bemalung durch den Künstler Fey aus Berlin. Der Altarschrein mit den Figuren des gekreuzigten Heilands, der Maria und des Johannes ist das Werk eines Münchener Bildhauers
Skometno Wlk. - Skomentnen / Skomanten
Geschichte Lokator des Dorfes war ein Peter Jeckeln, der 1476 die Handfeste über 30 Hufen erhielt
Die Sudauer: Die Gegend um Skomentnen am Skomantsee - poln. Skometno ist geschichtsträchtig bis in vorgeschichtliche Zeiten, wie Ausgrabungen belegen. Die Sudauerburg am Südufer des Skomantsees, ein pruzzischer Ringwall, soll Hauptsitz des Sudauerfürsten Skomand gewesen sein. Der pruzzische Ringwall liegt heute weiter vom Seeufer entfernt als früher, weil der Spiegel des Skomantsees vor dem 1. Weltkrieg abgesenkt wurde, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen.
Die Sudauer oder Jadwinger, auch Oszczepnicy = Speerträger genannt, waren ein Stamm der Pruzzen, der die östlichen masurischen Waldgebiete an den Flüssen Leega - Lega und Lyck - Elk bis nach Weißrußland hinein bewohnte. Sie waren offenbar recht konfliktfreudig und gingen keinem Streit mit Nachbarn aus dem Wege, hatten dafür aber auch einen hohen Blutzoll zu entrichten.
Ab 1281 konzentrierte sich der Orden auf die Eroberung von Sudauen. Deren damaliger Fürst Skomand leistete von seiner Burg am Südrand des Skomantsees aus erbitterten Widerstand. Einmal nahm er sogar den Ritter Ludwig von Liebenzell gefangen, entließ ihn jedoch wieder in die Freiheit. Als Skomand erkannte, daß er sich gegen die anstürmende Ordensstreitmacht nicht halten konnte, zog er sich vorrübergehend mit seinem Gefolge nach Weißrußland zurück. Doch die Versuche, von dort aus Terrain zurück zu gewinnen, blieben erfolglos. Deshalb unterwarf sich Skomand 1285 dem Orden und nahm den christlichen Glauben an. Landmeister Konrad von Thierberg verlieh ihm und seinen drei Söhnen dafür das Dorf Steyno im Stablack, Kreis Heilsberg.
Eine andere Gruppe von Sudauern kämpfte zunächst weiter. Es glückte ihnen, Ludwig von Liebenzell erneut festzunehmen. Diesem gelang es jedoch, ihren Häuptling Cantegerde zum Christentum zu bekehren, woraufhin sich große Teile des Stamms ergaben. Von ihnen wurden 1.600 Sudauer im inzwischen befriedeten Samland angesiedelt, wo sie ihre Sitten und Gebräuche bis ins 16. Jh. beibehielten und diese neue Heimstatt nannte man bald den „sudauischen Winkel“. Cantegerde selbst erhielt Landbesitz auf dem Gebiet der Komturei Christburg.
Die Sudauer, die sich nicht ergaben, zogen sich nach Litauen in die Gegend von Grodno zurück.

*3aus: Der Kreis Lyck, von Manfred Höhne

 

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Leben und Wirken des „Zauberers Gottes“

 

             

 

Geschichtliche Tatsachen über Michael Pogorzelski 

Das Leben und Wirken dieses Mannes hat sich an zwei Enden des Preußenlandes vollzogen, an der östlichsten Grenze des Deutschen Reiches zwischen Ragnit, Angerburg und Kr. Lyck, andererseits auch in der Landeshauptstadt  Altpreußens, in Königsberg. Immerhin war Pogorzelski 18 Jahre seines Lebens dort als Schüler und Student zu Lebzeiten des größten Ostpreußen Immanuel Kant. Es waren Michaels entscheidende Bildungs- und Reifejahre. 

40 000 Menschen zählte die Stadt am Pregel – noch einmal soviel als es damals in Kölln/Berlin waren. Große Handelsherren, Engländer,  Schotten, gebildete Offiziere, wie die Grafen Lehndorff und Kalckreuth, die hochgebildete Gräfin Keyserling, Schiffe aus aller Welt im Hafen, und auf der Kneiphofinsel am ehrwürdigen Dom die Albertus-Universität. 

Michael Pogorzelski ist am 4.9.1737 in Lepacken, Kreis Lyck, geboren.

Es gab viele Pogorzelski’s in Masuren. Aus dem 16. Jahrhundert sind etwa 20 Familien bekannt. Man sollte dabei zuerst Nicolaus und Salomon (Bogarselsky) nennen; ob sie in Pogorzellen oder im nahen  Drygallen saßen, ist nicht klar ersichtlich; jedenfalls war Nicolaus um 1540 Kirchenvater in Drygallen. Neben diesen werden noch Adam und Joseph genannt; 1539 lebte in Johannisburg der vermögende Krüger Bartel Pogorzelski. Ein Paul findet sich in Dutken, Woiotek in Grodzisken, Steffen in Gutschen, Lucas in Seligken. 1528 gehörte ein Pogorzelski zu den Freibauern in Mertensheim. Zur Ordenszeit war unter dem letzten Hochmeister im Amt Rhein Raphael Pogorzelski tätig, der dann in Lyck Küster wurde.

Er hat den Herzog um Land gebeten, der ihm auch in Anerkennung seiner Dienste Land verlieh; neben ihm wohnte in Lyck sein Bruder Barthel. Wenn schon mindestens zwei der genannten Pogorzelski’s im Leben der Kirchengemeinde Bedeutung hatten, so verwundert es nicht, dass vier Glieder dieser weit verbreiteten Familie Pfarrer geworden sind, Petrus 1553  in Aweiden, Hieronyms 1584 in Neu-Jucha, Nikodemus 1591 in Angerburg und schließlich Johann Pogorzelski 1620 in Wielitzken. Wie bodenständig die Pogorzelski’s waren, sieht man auch daraus, dass im „Einwohneradressbuch der Stadt und des Kreises Lyck“ von 1938 insgesamt 16 Pogorzelski’s genannt werden, von denen die Hälfte Landwirte waren.

Der erste Lepacker Pogorzelski, Jacob, erwarb am 2.2.1663 einen Hof mit 28 ½  Morgen. 1694 wurde der schöne Hof in Lepacken, der nunmehr 1 Hufe und 26 ½ Morgen, also ca 90 Morgen groß war, zwischen Andreas und Albrecht geteilt. Albrecht war der Vater von Michael Pogorzelski, seine Frau Marie Dolenga stammte aus Sdunken, wo die Dolengas, auch eine wappenführende Familie, seit 1540 dort ansässig, bis1945 ihre Höfe hatten.

Michael Pogorzelski ist am 4. September 1737 in Lepacken als Nachkömmling geboren. Er hatte wenigstens zwei bedeutend ältere Brüder, die die Landwirtschaft übernahmen. Vermutlich ist auch jener Bäckerlehrling, der nach Königsberg in die Lehre gegeben wurde und nun vom Amtshauptmann auf Veranlassung des erzürnten Meisters in Lepacken gesucht wurde, ein Bruder Michaels. Getauft ist Michael wohl von dem alten Pfarrer Gregorowius. Er besuchte die kleine Dorfschule in Moldzien. Er wuchs als Bauernjunge auf, hütete die Gänse und verrichtete auch schwere Landarbeit. Er sah bereits in früher Jugend, dass er hier keine Zukunft haben würde. So entschied er sich dem frühen Tode des Vaters für die Theologie.

Mit 16 ½ Jahren wurde er aber Schüler des Altstädtischen Gymnasiums in Königsberg. Der Siebenjährige Krieg (1756-1763) erschwerte seine Lage. Erst nach acht Jahren wagte er den Schritt zur Universität. In dieser Zeit hat er sich nur durch Unterrichten jüngerer Leute über Wasser gehalten. Michael Pogorzelski schreibt über seine Schul- und Studentenzeit.

 „Nach dem Tode meiner Vaters begab ich mich (17jährig) aus innerlichen Antrieb nach Königsberg; zuerst war ich bei den Studenten auf den Collegio Albertino, allwo ich viel Not ausstehen ömußte; hiernach kam ich in das altstädtische Pauperhaus und 1761 que civile Academ. Inscribiret ....“ 

Der   Dekan Friedrich Sam. Bock inscsribierte ihn am 25. August 1761 nach einigem Zögern. Aber Michael dankte es ihm. Als Bock nämlich seine fünfbändige Naturgeschichte Preußens herausgab, gehörte Michael Pogorzelski zu den Subscribenten. Wenige Wochen vor ihm inscsribierte sich J. G. Herder. Michael nahm kaum Notiz davon. Dabei hatten sich zunächst nur zehn junge Studenten immatrikuliert (fünf aus Preußen); im September 1761 waren es vier; wenn aber 1763 an ein- und demselben Tag fünf Abiturienten „ex schola cathedrali“ zur Universität kamen, davon vier aus dem Lycker Bezirk, denen im Mai Dan. Sam. Gregorowius aus Grabnick und G. Buchholz aus Goldap folgten, an einem weiteren Tag danach drei junge Leute aus  Arys, Lyck und Drygallen immatrikuliert wurden, dann muss auffallen, dass Michael zurückhaltend oder sogar menschenscheu war, eine Folge der sehr harten Lehrzeit, die er in Königsberg hatte durchmachen müssen. 

Michael Pogorzelski hat nach sechs Jahren, also nach 12 Semestern sein Studium absolviert. Aus seinen Jahrgängen haben von 100 „Candidaten“ 26, also ein gutes Viertel, sechs Jahre studiert, 17 gingen bereits nach fünf Jahren von der  Universität in den Beruf, elf brauchen acht Jahre, fünf saßen neun Jahre bei der „alma mater“ und drei sogar zehn Jahre. 

Immerhin war Michael inzwischen 31 Jahre alt geworden. Er entbehrte mehr denn je eines gewissen Schwunges, suchte offenbar aber direkt den Präsidenten des Konsistoriums, Etatminister L. L. v. d. Gröben auf, und kam im Januar 1769 als „Schulkollege und Organist“ nach Ragnit. Hier war zwar D. G. Fiedler Erzpriester, der mit der Schwester des Stradauner Pfarrers Drigalski verheiratet war. Ragnit hatte auch eben eine neue schöne Orgel erhalten, aber Michael ging es so wie seinem Bäcker-Bruder in Königsberg.

Bereits nach drei Jahren, am 28. April 1772, wandte er sich erneut an Freiherrn von der Gröben und schrieb diesem mit dem Mut der Verzweiflung, er habe „bereits drei Jahre in seinem kummervollen Dienste, den ich dero Befehl 1769 angenommen, zugebracht“. Er bat um die vacant gewordene Rectorenstelle in Kutten.

Sein Schreiben ist ebenso wie seine sonstigen Eingaben und Berichte in fehlerfreiem Deutsch und amtlich üblichen Stil abgefasst und mit vollem Namenszug unterzeichnet. Tatsächlich greift hier Gröben ein. Obwohl das Justizkollegium in Angerburg Joh. Fr. Terpitz für Kutten vorgeschlagen hatte, wird die Entscheidung nunmehr zugunsten von Michael Pogorzelski in die Wege geleitet. Das Konsistorium gibt am 23. Mai 1772 sein „Testimonium“, mit 35 Jahren wird Pogorzelski „Rector“ in Kutten.

Hier konnte er sich nun entfalten. Die Zusammenarbeit mit Pfarrer Jac. Segrowski war offenbar gut. Die Gemeinde freute sich über den neuen Rector. Aber Pogorzelski wollte mehr. Er wollte selbst Pfarrer werden. Als Pfarrer Segrowski 1776 starb, wandte sich die Gemeinde sechs Tage nach dem Tode ihres Pfarrers ohne Wissen von Pogorzelski an den König, ihr Rector habe sich das Vertrauen und die Liebe der Gemeinde erworben; man bat, ihm die Pfarrei zu geben. Berlin forderte auf, alles Erforderliche zu veranlassen. Die Regierung ließ sich Zeit und fragte erst nach vier Wochen beim Konsistorium an. Die Antwort war niederschmetternd ; Pogorzelski habe zwar jederzeit einen guten Wandel geführt, seine theologische Erkenntnis aber sei gering und zum Predigtamt nicht hinlänglich. Es wirkte sich aus , dass er „Armut wegen wenig auf der Academie studieren und die Collegia nicht  gehörig abwarten können und sich nur durch den Unterricht der Jugend seinen nötigsten Unterhalt schaffen müssen“. Nach seiner Neigung bat er nur noch um eine Versetzung „an ein Präcentorat in Litthauen“. Es war also von hier aus gesehen kein Unrecht, dass er in Ragnit hatte anfangen müssen. Das Sprachenproblem bestand nicht, was uns heute verwunderlich erscheinen möge. Pogorzelski beherrschte alle drei Sprachen, die im östlichen Preußen gängig waren, also Deutsch, Litauisch und Masurisch/Polnisch. 

Dem herzlosen Gutachten des Königsberger Konsistorismus folgten weitere kränkende Ergebnisse. Durch eine Irrturm der Behörde war ein Schreiben irregeleitet, in umständlicher Weise wurde Pogorzelski aufgefordert, die zusätzlichen Stempelgelder, die entstanden waren, zu erstatten. Andererseits wurden ihm die Gebühren versagt, die er für die Vertretung der vakanten Pfarrstelle zu erhalten hatte. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn er nun ein Angebot, das ihm Freiherr von der Gröben machte, fast heftig abwies: ihm sei das Präcentorat in Bilderweitschen zugewiesen, diese Stelle, schreibt er, sei ihm unbekannt, er wisse nicht, ob sie eine Verbesserung bedeute, und da er schon zehn Jahre in kargen Brotstellen gearbeitet habe, wolle er sich nicht verschlechtern, er unterwerfe sich aber „Ihre Exellenz hohen Väterlichen Vorsorge“. 

Wie Paul Fechter in seinem Bühnenstück darstellt, ist es durchaus denkbar, dass der bekannte Daniel Friedrich von Lossow, Chef des Bosniaken-Korps und der Schwarzen Husaren mit Sitz in Lyck und Goldap, anlässlich eines Besuches seines Gutes Kleszowen durch Kutten gekommen ist. Kleszowen, mehr als 200 Jahre im Besitz der von Ostau, hatte 1765 Sophie Eleonore von Zedmar, die Gattin Lossows und eine Tochter von Jac. Theodor von Zedmar auf Szedlisken erworben. Das Gut liebten Lossows sehr. Hier sind sie auch bestattet. Der Weg über Kutten ist durchaus möglich. Und so wird dann erzählt, dass Michael Pogorzelski den Wagen repariert, der vor dem Dorf einen Unfall erleidet. Der General kehrt bei ihm ein und aus dieser Begegnung erwächst eine Bekanntschaft, in deren Verlauf der General dem Rektor eine Pfarrstelle verschafft. So will es die Legende. Wenden wir uns wieder den Tatsachen zu:

Pogorzelski wirkte nach wie vor als Rektor in Kutten. Die Pfarrstelle war 1777 dem Kruglanker Diakon Jacob Gutowski gegeben, der seit 1756 hier saß. Vorher seit 1748 war er Rektor in Kruglanken, davor Schulmeister in Johannisburg, wo er Ärger wegen seiner Einkünfte hatte. Er war verheiratet und hatte drei Kinder. Der Sohn studierte, die Töchter waren noch daheim. Da starb Pfarrer Gutowski im Jahre 1780. Pogozelski bewarb sich erneut um die nun wieder vakante und so liebe und bestens vertraute Pfarrstelle.

Seine Berufung hätte die Gemeinde begrüßt, zumal ihr dieses wegen der Versorgung der Pfarrwitwe und ihrer Familie genützt hätte. Aber aus unbekannten Gründen berief das Konsistorium Pfarrer Fr. Ludwig Boretius aus Kallinowen nach Kutten, der älter als Michael war und bereits nach fünf Jahren starb.

Pogorzelki wurde nunmehr Pfarrer in Kallinowen, wo der dortige Kaplan Joh. Christ. Sackersdorf vermutlich auf die erste Pfarrstelle gewartet hatte.

Das war für Michael keine Belastung. Doch dieses Mal hatte die Fakultät die „Zustimmung nicht versagen wollen“. „Am 4.8.1780“, berichtete der Oberhofprediger Schultz, „die Ordination für Kallinowen sei vollzogen, am 5.9. habe die Introduktion durch den Lycker Erzpriester Tim. Gisevius d.J. stattgefunden“.

Pogorzelski war 43 Jahre alt, als er Pfarrer wurde. Von 100 Theologen waren damals 12 mit 40 Jahren ins Amt gekommen, vier hatten ein Alter von 44 Jahren, zwei 38 Jahre, aber auch einer mit 61 Jahren.

Im Durchschnitt war Pogorzelski ein verhältnismäßig junger Pfarrer;  vielleicht wäre er schon eher ins Pfarramt gekommen, wenn er nicht resigniert und neben Kutten auch andere Stellen ins Auge gefasst hätte. Man hat fast den Eindruck, dass er sich scheute, neben anderen Bewerbern anzutreten. Dabei war es durchaus normal, dass sich viele um eine gute Pfründe bemühten, und zwar vom einfachen Studenten über den Schulmeister, den Rektor oder Kantor bis hin zu dem Pfarrer, der die Stelle wechseln wollte. Hierbei sprach die Zahl der freien  Stellen natürlich auch mit, die bald stieg, bald fiel. So bewarben sich 1764 um die Diakonstelle in Sehesten zwölf Männer, meist amtierende Rektoren, darunter auch der Prospektor der Lycker Fürstenschule B. Flöß; und 1782 meldeten sich für Sensburg acht Männer, darunter drei Pfarrer, unter diesen Joh. Chr. Groß aus Klaussen; es kam keiner von ihnen auf diesen Posten, die Gemeinde setzte ihren Kandidaten, den Adjunkt J. Th. Stern aus Nikolaiken durch.

Der wohlbestellte Pfarrer Pogorzelski richtete sich nun in Kallinowen ein, das als „Grenzdorf zum polnischen Großherzogtum Litauen“ bezeichnet wird. Die Beziehung auch rein menschlicher Art von hüben nach drüben waren sehr stark.

Von der Witwe des Diskons J. Drygalski wird berichtet, sie wäre  „nach Groß-Polen“ gezogen; nach einiger Zeit findet sie sich in Kallinowen wieder ein.

Die Bauern haben teilweise Ärger jenseits der Landesgrenze. Zu den Jahrmärkten brachten die Polen Vieh und Pferde, besonders gern auch Schafböcke sowie Artikel, die sie aus Holz gearbeitet hatten.

Über die Struktur des Dorfes sind wir gut unterrichtet; es gab am 3.7.1780 drei kölmische Schulzen, vier Erbfreie und 13 Scharwerksbauern, drei Erbkrüger, drei Eigenkätner, zwei Prediger, eine Predigerwitwe, einen Rektor, sieben Einlieger, dabei einen Glöckner, fünf Hospitaliten und einen Hirt. Pfarrer Boretius zahlte für fünf Köpfe Priestergesinde, sein Nachfolger Pogorzelski für vier, später nur für drei, da er zusätzliche Hilfskräfte in der eigenen Familie hatte. 

Pogorzelski heiratete mit 43 Jahren die 22 Jahre jüngere Rahel Gutowski. Bei den schlichten Versen, die Michael in das von ihm angelegte Traubuch schrieb, klingen zweifellos die Gefühle und Überlegungen an, die ihn bewegten, als er selbst ein reifer Mann, geheiratet hat. Diese Verse sind von ihm zunächst in Deutsch verzeichnet, daneben aber auch in dem polnisch-masurischen Dialekt; sie stellen nicht eine wortwörtliche Übersetzung dar, sondern weisen ein Zeichen dafür, wie sehr Pogorzelski in beiden Sprachen zuhause war. 

 

Es handelt sich im Trauregister um drei kleine Stücke:

 

 „Wenn du dich bindest, prüfe doch;

wenn du schon eilst, bedenke noch:

Ist auch die rechte Liebe da?

Ist sie’s, so sprich von Herzen „Ja“.

Hab, mein Herr, mich dir verbunden und mir Deine Gnade funden;

will in diesem Bunde bleiben, dem mich ewig einverleiben.

Zuvor gethan, hernach bedacht,

 hat mancher viel davon geklagt.

Drum eile nicht, erwäge doch,

wenn du schon gehst, so sinne noch,

Ist auch die reine Liebe da?

Ist das, so sag mit Freude ja!“

 

In diesen Reimen spiegelt sich alles wider, wie sehr und wie lange Pogorzelski selbst sich geprüft hat, wie er alles bedachte und erwog, wie er immer noch fragte und schließlich mit Freude sein Ja sagte. Er holte nicht nur aus Kutten seine Frau; es kam auch die Pfarrwitwe Gutowski und die jüngere Schwester Esther Gutowski und später, nach dem Tod des Rektors der Bruder als sein Nachfolger, und da die Schwester Esther später den Nachfolger des verstorbenen Kaplans Sackersdorf, den jungen Diakon J.K.J. von Bergen, heiratete, kam es dahin, dass in beiden Pfarrhäusern die Frauen vom Hause Gutowski waren, und dass im Rektorat eben auch ein Gutowski saß. Jedoch sollte diese ungestörte Zeit nicht lange dauern.

Bei Pogorzelski wurden fünf Kinder geboren, drei Söhne und zwei Töchter. Die beiden Jüngsten, ein Sohn und eine Tochter, starben bald nach der Geburt; einige Wochen später folgte Rahel, eben erst 33 ½ Jahre alt. Der Witwer war immerhin 55 Jahre alt, die beiden Söhne elf bzw. zehn Jahre, die kleine Tochter acht. Nur gut, dass die Großmutter Gutowski im Pfarrhaus war, und dass die Geschwister der Verstorbenen ein paar Häuser weiter lebten. Benjamin Michael war am 26.10.1781 geboren, Karl Michael am 26.10.1782, Johanna Maria am 13.6.1784, die anderen beiden früh verstorbenen Kinder 1787 und 1791. Bei dem erstgeborenen Sohn wurden Amtspersonen und Nachbarn Paten, der Pfarrer Trojan aus Pissanitzen, über den der Erzpriester wiederholt klagte, der würdige Rektor Prange aus Kallinowen und Frau Diakonin Dor. Sackersdorf. Bei dem zweiten Sohn ist Christian Friedrich Philipp von Lossow, ein entfernter Verwandter des Generals, Kammerherr und Besitzer von Kowalken, Kreis Goldap, Pate.

Trotz des jungen Glücks, das zunächst so ungewohnt in das Pfarrhaus eingekehrt war, fehlte es an vielem, vor allem im Blick auf menschlich-gesellige Verbindungen. Als am 30.6.1785 Pfarrer Boretius in Kutten starb, wurde die Nachricht natürlich im Kallinowen schnell bekannt.

Für Pogorzelski – und seine Frau war zweifellos mit ihrem Mann einig – bot sich die Möglichkeit zu einer Rückkehr und zu einer Erfüllung. Am 8.7.1785 schrieb Michael Pogorzelski in seiner großen flüssigen Schrift an den König, wieder in Deutsch und bat um seine Versetzung nach Kutten. Er gestand dabei, sicher etwas unklug, dass „ich sonsten allen denen unausweichlichen Zwistigkeiten mit meinen Collegen zu entgehen nicht im Stande bin“. Es hatten sich sieben Bewerber gemeldet. Der Diakon Schultze aus Arys kam nach Kutten. Auf Pogorzelski Antrag wurde aber fast ärgerlich kurzerhand „ad acta“ vermerkt. Es blieb alles beim alten. 

Pogorzelski baute nunmehr seine Positionen in Kallinowen entschlossen aus. Eben jetzt wurde das Rektorat in Kallinowen frei. J. J. Gutowski war, vermutlich durch Vermittlung von Pogorzelski, Hauslehrer in Czymochen geworden. Jetzt wird er Rektor in Kallinowen. Vier Jahre später zieht die junge Ester in das Haus des neuen Diakons von Bergen ein. Indessen sollte das alles nur von kurzer Dauer sein. Es ist sicher, dass eine gewisse Isoliertheit bleibt. Auch der Lycker Erzpriester Gisevius scheint Pogorzelski nicht besonders zu  schätzen. Für die Zeit von 1705-1799 sind dessen Briefe an den späteren Erzbischof von Preußen, L.E. Borowski, erhalten. Gisevius äußert sich hier über viele Pfarrer im Kreis oft kritisch. Pogorzelski ist nicht genannt. Lediglich vom Begräbnis von Pfarrer Faber, Wielitzken, berichtet er, dass die beiden Prediger von Kallinowen teilgenommen hätten. 

Die Legende erzählt, dass unser Pfarrer im Winter 1797/98 hörte, dass auf dem Skomant-See bei brüchigem Eis Menschen in Lebensgefahr geraten waren. Menschen und Pferde schienen unrettbar verloren. Da eilte er zum See, ließ sich ein Seil um den Leib schnüren und betrat das Eis. Und seiner Kraft gelang es nach furchtbaren Anstrengungen, Menschen und Pferde zu retten.

Ein paar Wochen hat Michael noch mit kranker Niere und Lunge gelebt. Dann waren seine Kräfte aufgezehrt. Er starb am 29. April 1798, Beispiel und Vorbild bis in den Tod. 

Michael Pogorzelski ist einer von vieltausend ostpreußischen Dorflehrern und Dorfpfarrern, die zumeist auch so dachten, lebten und zupackten, Originale, Zauberer in vielen Künsten. 

Zur  Amtstätigkeit Pogorzelskis ist zu sagen, dass er bei den verhältnismäßig geringen Einkünften seiner Stelle gut wirtschaften musste. Aber das verstand er, und das zeigte sich in seiner Verwaltung. Er verhinderte, dass der Kirche das Hospital genommen wurde, sorgte für die Renovierung der Kirche, erreichte einen Neubau der Widdem (des Pfarrgebäudes), des Rektorats und auch des Hospitals – eine ungewöhnliche Leistung.

Als die Pächter der Schulhufen in Millewen entschädigungslos umgesetzt werden sollten, wandte er sich unmittelbar an den König. Diese Eingabe vom 8.5.1792 zeigte eine saubere und gepflegte Schrift in deutscher Sprache und einen gewandten Stil. 

Pogorzelskis Hauptverdienst lag in der Sorge um das Schulwesen. Er sorgte für eine Vermehrung der Schulen, um die Schulwege abzukürzen und die Lehrer zu entlasten. Er hielt regelmäßig Lehrerkonferenzen ab und wusste über „seine“ Schulmeister Bescheid. Für Marczynowen liegen aus den Jahren 1792 und 1793 präzise geführte Schullisten vor: von 21 Knaben können zwölf gut lesen, schreiben und rechnen, von den zwölf Mädchen acht. Im Oktober 1792 fanden vier Konferenzen statt, im November drei. Es werden Versäumnisse geführt, Pogorzelski fordert die Schulen auf, die Strafgelder zu erheben und ersucht das Lycker Amt um Hilfe. Der Erfolg ist freilich gering. Einige Schulmeister gehen aus ihrer Arbeit und Stelle. Jedoch ist der Erzpriester, der für das Schulwesen besonders viel übrig hatte, bei der Visitation in Kallinowen des Lobes voll.

In Kallinowen befindet sich neben der Kirche nahe der Sakristei das Grab von Michael Pogorzelski. Bei dem Neubau der Kirche nach dem 1. Weltkrieg blieb es unberührt. Es dürfte auch heute noch erhalten sein, eine Erinnerung an einen treuen, masurischen Pfarrer. 

(gekürzt nach H. Walsdorff: Michael Pogorzelski, Pfarrer in Kallinowen; in: Der Kreis Lyck, ein ostpreußisches Heimatbuch, Leer 1981)

 

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Geografische Kurzhinweise

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Die im Südosten von Ostpreußen liegende Landschaft Masuren ist ein Teil des Preußischen Höhenrückens und zeichnet sich durch seinen Seen- und Waldreichtum, sowie eine weitgehende intakte Umwelt aus.

Die Polen definieren heute Masuren ohne Beachtung der historischen Grenzen allgemein als Landschaft im Nordosten Polens, die reich an Wäldern und Seen ist und wo man im Urlaub reiten, segeln und Rad fahren kann.

Zu Masuren gehören u. a. die hier erwähnten Orte

Goldap

Pogorzellen, Kreis Goldap - Hegelingen – Pogorzel

 

Lyck – Elk

Kallinowen – Kalinowo

Pogorzellen - Pogorzel Wielka

Drygallen – Drygaly

Lepacken, Leppacken, - Lepaki Wielki

...und viele, viele andere...(sie alle hier zu erwähnen würde den Rahmen dieser kleinen Info sprengen)

 

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Ausführungen zum Namen POGORSZELSKI

 

In Masuren (Ostpreussen) gab es den Namen Pogorzelski recht häufig. Zur Zeit der Kolonisierung wurde der für ein Dorf in der Wildnis vorgesehene Platz kurzerhand durch Feuer freigemacht. Häufig nannte man das Dorf dann Brandstätte oder, auf masurisch, Pogorzellen, woraus der Personenname Pogorzelski abgeleitet wurde.

Die Zusammensetzung der Laute "pa/po" + "goro" bedeuten in etwa "bei der Feuerstätte" und könnten auf eine Brandrodung, aber auch auf den Verlust des Besitzes durch Feuer hindeuten. (grob übersetzt auch „verbrannte Erde“)

Aus etymologischer Sicht dürfte der Name einem Wohnstättenname zuzuordnen sein.

Mir sind aber auch andere Forscher bekannt die den Namen nach „po-gor-zel“ deuten, was so viel wie „Am Berg“, oder sogar als „Unter dem Berg“ – was auf einen bekannten deutschen Namen (umgemünzt: VON UNDERBERG -adelig) hinweisen könnte(!)

Die unterschiedlichen Schreibweisen des Namen (POGORZELSKI, POGORSSELSKI, POGORCZELSKI, usw.) können auf die mangelhaften Schreibkenntnisse in der damaligen Zeit zurück zu führen sein.

Aus dem 16. Jahrhundert sind etwa 20 Familien bekannt, die in Pogorzellen, (ca. 20 km südwestlich von Lyck-heute Elk-) oder im Nahen Drygallen (heute Drygaly ) saßen. Auch gibt es noch weitere Orte mit dem Namen Pogorzel, so z.B. Pogorzellen Kr. Goldap, später (ab 17.04.1906) Hegelingen, heute Pogorzel, ca. 15 km südöstlich von Goldap, wo vermutlich „meine“ POGORSZELSKI’s herstammen könnten. Auf jeden Fall ist davon auszugehen, dass in Masuren, möglicherweise im Landkreis Goldap, der Ursprung des Namens POGORZELSKI zu suchen ist.

 

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